Gefährliche Auferstehung

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum eigentlich die Behörden in Jerusalem nach Ostern so unerbittlich gegen die Christen vorgegangen sind. Das einzige, was die Christen getan haben war ja – sie haben behauptet: Jesus ist auferstanden.

Deshalb hat man sie verhaftet, ausgepeitscht und im Extremfall getötet.

Ich habe diesen Vernichtungswillen der Führer in Jerusalem bisher nicht wirklich verstanden. Denn es waren ja religiöse Führer: Der Hohe Priester und der Hohe Rat, das war so etwas wie die Kirchenleitung. Und die Christen haben dazugehört. Sie haben an den gleichen Gott der Bibel geglaubt, wie der Hohe Priester. Nur mit der kleinen Ergänzung: „Gott hat Jesus auferweckt!“

Gut, das war schon ein gewisser Unterschied im Glauben. Denn in der offiziellen Religion gab es keine Auferstehung. Für den Hohen Priester war das Leben mit dem Tod zu Ende. Die offizielle Religion hat sich auf die fünf Mosebücher mit all den Gesetzen gestützt. Und in den Gesetzen haben die priesterlichen Juristen nichts über ein Leben nach dem Tod gefunden.

Doch warum hat der Hohe Priester nicht einfach mitleidig gelächelt über die ersten Christen? „Unwissende Spinner!“ hätte er sagen können.

Aber das konnte er offenbar nicht. Und so langsam verstehe ich ihn.

Denn für die Christen war die Auferstehung Realität. Sie hatten keine Angst vor dem Sterben. Und Leute, die keine Angst vor dem Sterben haben, sind gefährlich für die Machthaber. Man kann sie so schlecht lenken. Womit sollte man ihnen drohen, wenn sie nicht tun, was die Mächtigen wollen? Sie haben ja keine Angst.

Bei den Jesusjüngern kam noch dazu: Jesus ist ja auf die schlimmste Weise gestorben, die man sich vorstellen kann. Und seine Jünger müssen sich gedacht haben: Was uns auch immer blühen mag – schlimmer als bei Jesus wird es nicht. Wie beim Zahnarzt. Nicht schön, aber da muss ich durch. Und danach ist es gut.

Womit soll man solchen Leuten drohen?

Dabei haben sie ja überhaupt nichts Böses getan. Sie haben bloß nicht einfach so´ irgendwelche Anordnungen befolgt. Sondern zuerst nachgedacht.

Und manchmal haben sie dann widersprochen. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5, 29), hat Petrus dem Hohenpriester gesagt. Der Hohe Priester hat getobt. Aber für Petrus war das keine Frage. Er hat gewusst, wer wirklich das Sagen hat, wer wirklich die Macht hat: die Macht des Lebens.

Der Hohepriester hatte nur die Macht zu töten.
Und Jesus hat gesagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können“ (Matthäus 10, 28).

Im Vergleich mit Gott und seiner Lebensmacht war der Hohepriester nur ein Zwerg.

Der Hohe Priester war abhängig von der Gnade Roms. Für ihn war das nicht schlimm. Es war ein gutes Geschäft. Eine Hand wäscht die andere: Wir sorgen dafür, dass Du Hoher Priester bleibest. Du sorgst dafür, dass das Volk kuscht und wir es auspressen können.

Die Grundlage dieses Geschäftsmodells ist Angst – Angst um das eigene nackte biologische Leben. Wer Angst um sein Leben hat, ist bereit, alles zu tun, alles in Kauf zu nehmen.

Deshalb war die Art von Religion, die der Hohe Priester vertreten hat, ideal: Gott hat Gesetze erlassen und bestraft die, die sie missachten – im schlimmsten Fall mit dem Tod. Und weil niemand sicher sein kann, dass er alles richtig macht, ist in dieser Art von Religion die Angst der ständige Begleiter.    

Diese Art von Religion funktioniert auch ohne Gott. Jetzt haben wir sie wieder: Gesetze – wer sie übertritt, wird anderen den Tod bringen oder selbst sterben. Und trotz aller Vorsicht kann man nie sicher sein, dass man wirklich vollkommen geschützt ist.

So wird die Angst wird im Hintergrund ständig präsent gehalten.   

Praktisch. Denn die Angst um das eigene nackte Leben macht Menschen zu Wachs in den Händen der Machthaber. Und währenddessen werden die Reichen immer reicher, damals und heute.

Genau dieses Geschäftsmodell haben die Christen in Frage gestellt. Unbewusst. Sie hatten einfach keine Angst mehr. Sie haben nicht mehr gekuscht. Sie haben selbständig gedacht. Und manchmal entschieden: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Deshalb der unerbittliche Vernichtungswillen der Behörden. „Jesus ist auferstanden!“ sprengt ihr Geschäftsmodell. Weil sich damit die Angst auflöst.

„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können!“, hat Jesus gesagt.  Und das bedeutet ja auch: Fürchtet euch vor überhaupt nichts, was den Leib töten kann, auch nicht vor einem Virus. Weil Sterben nicht das Ende ist, sondern der Anfang!

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