Nicht hilflos ausgeliefert

In diesem Frühjahr hatte ich so wenige Beerdigungen wie noch nie in meiner bisherigen Dienstzeit. Kann sein, dass das auch an den Corona- Maßnahmen liegt. Wer in der eigenen Wohnung allein bleibt (oder gar im Pflegeheimzimmer), hat wenig Gelegenheit sich anzustecken. 

Doch so will ich nicht leben. In ein paar Jahren gehöre ich auch zur „Risikogruppe“. Und dann will ich nicht Jahre meines Lebens in Einsamkeit absitzen. Denn auch wenn Corona irgendwann Geschichte sein sollte – die Welt ist voller Viren. Die nächste Pandemie kommt bestimmt. Sobald ein Forscherteam wieder einen Test entwickelt hat, brauchen die Regierungen nur die jetzt erprobten Maßnahmen aus der Schublade zu holen und es geht wieder los.

Ich will nicht im Dauer- Panikmodus leben. Denn Gott hat uns Menschen doch nicht hilflos an die Viren ausgeliefert!

Jeder von uns weiß vom Immunsystem. Auch wenn man von den offiziellen Corona- Experten gerade überhaupt nichts davon hört. Vielleicht, weil die Experten, die zu Wort kommen, Virologen sind. Die sich nur für Viren interessieren, nicht für Menschen. Gott interessiert sich für uns Menschen. Und gibt uns deshalb etwas, was zum Zusammenleben mit den Viren hilft: das Immunsystem.

Das Immunsystem

Wenn Sie aufmerksam die Nachrichten über die Epidemie lesen, fällt Ihnen wahrscheinlich auf, dass die allermeisten der Infizierten gar nicht merken, dass sie das Corona-Virus in sich tragen. Hätte man sie nicht getestet, wüssten sie von nichts. Denn wenn das Immunsystem stabil ist, leben die Viren mit uns in friedlicher Symbiose. 

Natürlich ist nicht jeder bei vollen Kräften. Wo die Lebensenergie weniger wird, bekommen die Viren Raum. Je nachdem, wie geschwächt man ist, hustet man ein bisschen und wird dann wieder gesund. Oder man liegt ein paar Tage mit Fieber im Bett. Und wer so schwach ist, dass das Immunsystem ganz zusammenbricht, stirbt. Nicht eigentlich am Virus, sondern an der Schwäche des Immunsystems.

Ich hoffe inständig, dass Medizinstudenten diese Zusammenhänge heute noch lernen. Allerdings bin ich ziemlich irritiert darüber, dass die „Experten“ in den ganzen Panikwochen nie auf solche beruhigenden Selbstverständlichkeiten hingewiesen haben. Es wäre so wichtig gewesen, den Leuten Tipps zur Stärkung ihres Immunsystems zu geben, damit sie auch mit einer Infektion gesund bleiben können.

Für mich als Pfarrer ist die Sache mit dem Immunsystem ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen meinem Glauben und dem, was ich erlebe. Ich war durch die Jahre, wie jeder andere, immer wieder einmal krank. Und ich habe erlebt, wie ich wieder gesund geworden bin. Allermeistens ohne Medikamente. Einfach so. Das schwerste war eine Lungenentzündung. Sechs Wochen war ich damals krankgeschrieben. Dann hat mir der Arzt gesagt, jetzt dürfe ich mich ein Jahr lang nicht übermäßig anstrengen, keinen Sport treiben. So lange würde die Lunge brauchen, um auszuheilen.

Das wollte ich zuerst nicht wahrhaben. Ich wollte schneller wieder fit sein. Zum Glück hat mir mein Körper die Grenzen deutlich gezeigt. Und ich habe gelernt, dass ich eine schwere Krankheit wirklich ernst nehmen muss. Der Arzt hat recht gehabt. Ich bin gesund geworden. Und es hat ein Jahr gedauert.

Erfahrungen mit Gott

Für mich war das eine Gotteserfahrung. Wo ich erlebt habe, wie sich Gott um mich kümmert. Auf eine sanfte, unaufdringliche aber unglaublich mächtige Art.

„Immunsystem“ ist eine andere Bezeichnung für diese Erfahrung, die den Zusammenhang auch für weniger religiöse Menschen fassbar macht. Das Entscheidende ist aber so oder so: wir sind Viren und Bakterien nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt keinen Grund zur Panik.  

Panik entsteht nur, wenn man durch einen bleistiftdünnen Tunnel auf ein Virus schaut und alles, was es drum herum ja auch noch gibt, ausblendet. Eben beispielsweise das Immunsystem. Das gestärkt wird durch frische Luft und freies Atmen. Durch Bewegung, miteinander Reden, einander Erzählen, das Schöne und Schwere teilen. Umarmungen, Liebe. Miterleben, wie die Enkel aufwachsen.

Geschwächt wird das Immunsystem durch anhaltenden Stress. Und der übelste Stressfaktor ist Angst. Angst ist ein offenes Scheunentor für alles, was uns schaden kann.

Vielleicht verhindert das Zu- Hause- Bleiben tatsächlich eine Infektion. Aber was ist mit all den anderen Krankheiten, die unter Isolation und Stress so prächtig gedeihen – von psychischen Krankheiten bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs? Was wird der Bewegungsmangel für Folgen haben, gerade für die Kinder?

Nötig wäre etwas, was Mut macht. Bei mir ist es das Vertrauen auf Gott. Dieses Vertrauen speist sich auch aus all den Erfahrungen, wie – meist ohne Medikamente – die Kraft, von der ich mich abgeschnitten habe, wieder zurückgekommen ist und ich gesund geworden bin. Deshalb vertraue ich darauf: wenn ich wieder mal krank werde, wird mich Gott nicht hängen lassen.

Ich rechne aber auch damit, dass ich einmal nicht mehr gesund werde. Dann möchte ich auch das Sterben aus Gottes Hand nehmen. Ich habe ja erlebt, wie unglaublich mächtig er ist. Und zugleich sanft und liebevoll.   

Das sind meine Erfahrungen. Deshalb will ich mir, wenn ich einmal älter bin und zur Risikogruppe gehöre, nicht von Menschen vorschreiben lassen, dass ich mein Leben um jeden Preis noch ein bisschen verlängern lassen muss. Ich habe meine Erfahrungen gemacht mit Gottes Kraft. Da will ich mich nicht von Wissenschaftlern entmündigen lassen. Ich will mich nicht durch den Staat oder seine Behörden gegen meinen Willen schützen lassen. Ich will mir nicht von Experten, die allzu offensichtlich selbst im Dunkeln tappen, sagen lassen, was mir nützt und schadet. Ich will aus meinen Erfahrungen und aus meinem Glauben heraus leben. Ich will auch Fehler machen dürfen. Und ich will im Kreis der Menschen sterben dürfen, die zu mir gehören.

Vor zwei Monaten wären mir solche Sätze nicht in den Sinn gekommen. Da habe ich es noch für selbstverständlich gehalten, dass erwachsene Menschen selbstbestimmt leben und sterben dürfen. Inzwischen müssen wir dafür kämpfen, dass uns die elementarsten Grundrechte wieder zurückgegeben werden.

Niemand braucht so zu glauben und zu leben wie ich. Wer sich schützen will, darf das gerne tun. Aber ich würde schon gerne die Freiheit behalten, zusammen mit Menschen, die auch so denken, selbst Verantwortung zu übernehmen. 

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