Wie liebt man seinen Nächsten?

Jesus hat die Nächstenliebe nicht erfunden. Die war zu seiner Zeit schon ganz gut organisiert: Die Armen haben sich mit einem Schüsselchen an des Straßenrand gesetzt und die Bessergestellten haben Geldstücke hineingeworfen. Das hat funktioniert, niemand ist verhungert. Damit hätte Jesus zufrieden sein können. War er aber nicht.

Was war das Problem? Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. „Wovon sonst?“, fragt man vielleicht heute noch mehr als damals. In den Jesusgeschichten wird es deutlich. Vor allem in den sogenannten Heilungsgeschichten. Wobei die Heilung da eher Nebensache ist. Jesus hat keine Medikamente verabreicht, klar. Aber viele werden sich den heilenden Jesus irgendwie so vorstellen, dass er seine geballte göttliche Kraft auf die kranken Menschen konzentriert und sie so gesund gemacht hat. Doch so etwas wird nie erzählt.

Heilungen sind bei Jesus oft beiläufig passiert. Als er einmal eingeladen war, hat er hinten im Raum eine alte Frau liegen sehen. Statt sie höflich zu ignorieren ist er hingegangen, hat ihr die Hand gegeben und sich erkundigt, was ihr fehlt. Sie hatte hohes Fieber. Und da ist Fieber ist gesunken. 

Zu einem, der sich nicht bewegen konnte, hat Jesus gesagt: Deine Sünden sind dir doch schon lange vergeben!“ Und er konnte aufstehen.

Besonders krass: einen hochinfektiösen Aussätzigen hat Jesus angefasst, obwohl das streng verboten war. Daraufhin ist der gesund geworden.

Eine bucklige Frau, die niemand beachtet hat, hat Jesus in der letzten Reihe entdeckt. Er hat sie in die Mitte geholt. Und da konnte sie sich plötzlich aufrichten.

Wenn sich Geheilte dann überschwänglich bedankt haben, hat Jesus immer wieder gesagt: Nicht ich habe dich gesund gemacht, dein Glaube – dein Vertrauen –  hat dir geholfen. Durch die Beziehung zu Jesus sind Menschen gesund geworden. Weil er ihr Schicksal gesehen und ausgehalten hat und man und man ihm vertrauen konnte. 

Niemand von diesen Leute ist verhungert. Die organisierte Nächstenliebe hat sich vorbildlich um ihr biologisches Überleben gekümmert. „Risikogruppen schützen“, schon damals. Doch eine fatale Folge der pauschalen Nächstenliebe ist, dass man sich die wirklichen Menschen mit ihren Schicksalen vom Leib hält. Und sie emotional verhungern lässt, auch wenn sie satt und sauber sind.  

Das ist auch heute so. Die staatlich verordneten Distanzmaßnahmen schützen Risikogruppen. Aber wer sieht die Menschen? Wer nicht selber Kinder hat, die jetzt seit 10 Wochen zu Hause herumsitzen, kann sich einfach nicht vorstellen, was das mit manchen Kindern – und ihren Eltern – inzwischen gemacht hat. Wer nicht selbst Angehörige im Pflegeheim hat, dem kommt gar nicht in den Sinn, dass das Besuchsverbot (oder die gerade aktuellen Beschränkungen) ein Problem sein könnte. 

Gesundheit war für Jesus nicht das wichtigste. Leute, die nur geheilt werden wollten, hat er auch einfach stehen gelassen (Markus 1, 32- 38). Was Jesus gegeben hat, war dieses „mehr als Brot“: Sich selbst hat er gegeben, so, dass man Vertrauen zu ihm fassen konnte. Also das genaue Gegenteil von „Social Distancing“. 

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