Im Windschatten von Jesus

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja! Das ist Ostern. Unser wichtigstes Fest. Wir feiern, dass Sterben gar nicht so schlimm ist.

Sterben nicht schlimm?!  In den letzten Wochen hat die Angst vor dem Sterben die Menschen doch gepackt wie noch nie. Sogar die Ostergottesdienste sind verboten worden – aus Angst vor dem Sterben.
Hat Ostern noch irgendeine Kraft?

Wenn Ostern der Angst vor dem Sterben etwas entgegensetzen soll, reicht es jedenfalls nicht eine nette Geschichte zu erzählen. Sonst wäre Ostern bloß eine Behauptung, die man halt glauben muss. Das ist mir zu wenig. Denn wenn ich an eine Behauptung glauben will, kostet mich das Kraft. Was ich brauche ist etwas, was mit Kraft gibt.

Jesus müsste schon tatsächlich den Tod hinter sich gebracht haben und leben. Und wenn es stimmt, dass Jesus auferstanden ist, dann müsste man doch irgendwie seine Spuren sehen können. Im wirklichen Leben.

Die Spuren gibt es. Aber es sind nicht Spuren von schweren Tretern. Weil der auferstandene Jesus kein Gewicht hat. Seine Spuren sind anders. Wenn ich dieses andere suche, helfen mir die Ostergeschichten. Sie sind wie eine Brille. Durch die Geschichten erkenne ich mehr – in meiner Welt und meinem Leben.

Zuerst sehe ich drei Frauen, die früh am Ostermorgen auf den Friedhof tappen. Sie wollen noch einmal den toten Jesus sehen. Am Karfreitag ist alles so schnell gegangen. Und sie können es noch nicht fassen. Jesus tot? Das kann doch nicht sein!
Zur Trauer kommt aber auch ein sehr reales Problem: Die Grabhöhle ist mit einem großen Stein verschlossen. „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“  

Sie kommen auf den Friedhof, finden das Grab – und der Stein ist weg! Und die Leiche auch. Statt dessen ein junger Mann im Grab. Die Frauen zucken zusammen.
„Wo ist Jesus?!“
„Nicht hier!“, sagt der junge Mann. „Er ist auferstanden!“
Nicht hier! Aber verschwunden ist er auch nicht.
„Er wird vor euch hergehen nach Galiläa“, sagt der junge Mann. Und die Frauen rennen weg. Denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.

Dann haben sie sich auf den Weg nach Galiläa gemacht. Haben sie Jesus gefunden?  Ja, irgendwie schon. Am See Genezareth. Aber auch dort haben sie ihn nicht fassen können.

Wie ein Vogel, der auf der Wiese pickt. Ich renne hin, er fliegt auf und sitzt im Busch. Ich gehe zum Busch, doch schon sitzt er im Baum. Und bis ich oben bin, pickt er wieder auf der Wiese.

Ist der auferstandene Jesus auch so? Wie ein Vogel – immer ein bisschen voraus? Vielleicht. Und doch ein bisschen anders:
Die Frauen auf dem Weg zum Friedhof haben sich Sorgen gemacht. Wer wälzt uns den Stein weg? Doch als sie am Grab standen, war es offen.
Die Frauen wollten die Leiche von Jesus beweinen. Doch da gab es keine Leiche.
Die Frauen haben ihn auf dem Friedhof gesucht. Doch Jesus war schon in Galiläa.
Immer ein bisschen voraus. Aber der Raum, den Jesus hinterlassen hat, war nicht leer. Sondern gefüllt – überraschend, neu, leicht.

So etwas kenne ich auch. Und ich empfinde es so: wir sind unterwegs im Windschatten von Jesus. Windschatten kenne ich vom Fahrradfahren. Wenn ich mich ans Hinterrad des Vordermannes geheftet habe, ging das Treten plötzlich viel leichter. In diesem luftig- freien Raum.

Im Windschatten von Jesus. Nur gibt es da kein Hinterrad, an das ich mich heften könnte. Dass ich in seinem Windschatten unterwegs bin, merken ich eher dran, dass etwas fehlt: ein Stein, der den Zugang versperren müsste, ist weg. Wo ein Toter liegen müsste, ist nichts mehr. Wo ich mir Sorgen gemacht habe, gibt es keinen Grund. Wo ich ein schlimmes Hindernis vermutet habe, geht es ganz leicht.

Die Spuren, die der auferstandene Jesus hinterlässt, sind leicht, luftig. Eben wie ein Windschatten. Nicht zu fassen, nicht zu beweisen. Auch leicht zu übersehen. Denn wo vorher Sorgen waren, ist ja auf einmal nichts mehr.

Aber zu spüren. Wenn etwas Leichtes und Luftiges in eine Situation kommt, die eigentlich nur belastend sein müsste. Da merke ich Jesus.

Und die Angst?

Sie ist nicht verschwunden. Sie packt mich immer wieder, wie der Gegenwind auf dem Fahrrad. Bis ich mich plötzlich im Windschatten finde. Und merke: Er ist da, ein paar Schritte voraus. Er, Jesus, lebendig. Wirklich: Er hat den Tod hinter sich gebracht. Er lebt.
Und in seinem Windschatten werde ich den Tod auch hinter mich bringen. Und leben.

Und die Angst?
Jetzt ist sie weg!

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